Selbstbefriedigung

Ist es erlaubt, sich selbst durch eigene Berührung schöne Gefühle zu vermitteln, sich zum Orgasmus zu bringen oder dürfen wir dies nicht tun?
Diese Frage stellt sich seit Urzeiten. Meine persönliche Meinung ist ein eindeutiges: Ja.

Natürlich dürfen wir uns selbst zum Höhepunkt bringen, warum auch nicht?

Sollte dies in der Natürlichkeit des Seins verboten sein, dann könnten wir es nicht tun.

Dann wäre es nicht möglich, so zu handeln.

Aber wir können es und es ist sehr schön, wenn wir es tun.


Doch wenn wir in die Vergangenheit zurückgehen und uns erinnern, dann erkennen wir, dass Selbstbefriedung etwas war, was man eher abgelehnt als angenommen hatte.

Man wollte dieses Thema der Glücksgefühle nicht ins Alltagsleben integrieren.
Wahrscheinlich war dies verpönt, da regelmäßige Lustbefriedigung auch Ebenen erwecken könnte, die dem Verstand wohl als nicht sinnvoll erschienen.

Nach dem Motto, wenn sich der Mensch zu viel mit seiner Lust beschäftigt, dann könnte er ja zu wenig arbeiten.

Man hatte unter anderem Angst, dass die Möglichkeit der eigenen Lusterfüllung gleichzeitig auch die sexuelle Aktivität deutlich mehr antreiben würde.

Doch so stimmt es nur bedingt.

Aber Tatsache ist, die Menschen früher arbeiteten körperlich viel mehr als heutzutage und brauchten ihre Energie für ihre schwere Arbeitsleistung.
Zum anderen schliefen viele in einem gemeinsamen Raum, so dass jegliche sexuelle Aktivität nicht unbemerkt geblieben wäre.

Man kam er gar nicht erst auf die Idee, unter der Bettdecke zu masturbieren.

Wenn überhaupt, dann versteckte man sich kurz hinter einer Hecke, aber einen wahrhaftigen Platz hatte die Selbstbefriedigung, beziehungsweise die gelebte Sexualität in der damalige Zeit nicht wirklich.

So wurde es früher gelebt.

Doch es tut dem Körper gut, wenn er den Druck des Alltags loswerden kann und genau das passiert, wenn wir einen Orgasmus erleben.
Wenn wir keinen Sexualpartner zur Hand haben, mit dem wir unsere Befriedigung gemeinsam erreichen können, ist die Selbstbefriedigung eine gute Maßnahme, um Druck abzulassen.
Gerade die männliche Sexualität braucht den Druckabbau noch mehr als die weibliche.
Würden wir heute immer noch schwer auf den Feldern schuften, wäre dies auch anders.

Aber wir nutzen unsere Energie heute sanfter, deswegen baut sich in unserem Körper in jungen Jahren auch noch mehr Druck auf, der nach Erleichterung schreit.

Doch zu viel Selbstbefriedigung ist auch nicht gut, man sollte ein gesundes Mittelmaß finden, damit der Sex mit einer anderen Person auch noch Erfüllung finden kann.
Würde man sich nur noch um sich selbst kümmern, könnte das für ein sexuelles Miteinander von Nachteil sein.
Es gibt viele Menschen, die bei mehrmals täglicher Selbstbefriedigung kaum mehr erfüllenden, sexuellen Kontakt zu anderen Personen eingehen können, da der eigene Lustwunsch so dominant ist, dass er sich durch den Reiz einer fremden Hand kaum mehr einzustellen vermag.
Man muss auch bedenken, dass die meisten Menschen, um den Höhepunkt während ihrer Selbstbefriedigung erreichen zu können, ihre Fantasie benutzen.

Das bedeutet wiederum, dass das Kopfkino einen großen Platz einnimmt, um die gewünschte befreiende Erfüllung erreichen zu können.
Lässt man sich jedoch mit einem Sexualpartner ein, schalten die meisten den Kopf ab, um ihr Gegenüber zu spüren und mit ihm zu verschmelzen.
Wer es aber gewohnt ist regelmäßig stimulierende Bilder zu haben, also sein Kopfkino einzuschalten, der sie braucht um sich hochzupeitschen, wird sich dann schwer tun.

Die sexuelle Energie seines Gegenübers muss dann ausreichen, damit er sich einlassen kann, um den Akt vollenden zu können, was ihm allerdings schon nach einer Weile der Einsamkeit fremd erscheinen wird.
Im Klartext: Er ist es nicht mehr gewohnt, sich einzulassen.
Dies kann schnell zu Problemen führen, wenn man sich selten im Außenkontakt einlässt.

Von daher ist das gesunde Mittelmaß der Garant sich einlassen zu können und sich wohl zu fühlen.


Selbstbefriedigung dient einerseits dazu, sich selbst gut zu tun, aber auch seinen Körper besser kennenzulernen, andererseits aber auch, um Druck abzulassen.
Leben wir Sexualität, dann fühlen wir uns gut. Tun wir es nicht, sorgen nicht für uns selbst, dann könnte entstehender Überdruck Unzufriedenheit auslösen, die wir im Grunde genommen gar nicht haben wollen.
Je klarer und aufrichtiger wir zu uns selbst sind, desto eher werden wir uns auch selbstfindend leben können.

Doch wie schon erwähnt, ist unsere kreative Fantasie auch eine wichtige Komponente, die uns ermöglicht die Bilder, die sich vor unserem inneren Auge auftun zu nutzen, um uns und unsere Wünsche besser kennenzulernen.

Je mehr wir uns erlauben so sein zu dürfen wie wir sein wollen, desto besser wird es uns gehen.

Wer mehr über das Thema sexuelle Fantasie erfahren möchte, der lese die Texte unter der entsprechenden Rubrik.

Doch nun noch einmal zurück zu unseren Erziehungsmethoden: Wie eingangs schon erwähnt, wurden wir oftmals so erzogen, dass der aktive Akt der Selbstbefriedigung einen bitteren Beigeschmack des Verbotes mit sich brachte.

Es wurde uns nahe gelegt, dies nicht zu tun oder wenn überhaupt, dann nur in Maßen und unter vorgezogener Bettdecke.
Trotzdem, jeder ist sich sicher, es wird keinen sexuell aktiven Menschen geben, der nicht selbst Hand angelegt hat und es immer noch tut.
Und ehrlich, solange sich diese Lustbefriedigung in einem gesunden Rahmen bewegt, ist diese Form der gelebten Sexualität ideal, jederzeit und immer ausführbar, dann wenn uns danach ist.


Führt diese Form der gelebten Sexualität jedoch dazu, dass der Ausübende sich nicht mehr mit anderen einlassen kann, muss Abhilfe geschaffen werden und diese Möglichkeit gibt es.

 

Die Autorin Sabine Guhr-Biermann

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